Tag 19: Der Kampf im Kopf – Wenn der Main zur mentalen Zerreißprobe wird

🌅 Morgens um 7:00 Uhr – und der Körper sagt: Bleib liegen

Guten Morgen um 7:00 Uhr – und der Körper sagt eigentlich nur eins: Bleib liegen. Ich war hundemüde, die Kraftreserven fühlten sich komplett leer an. Es hat mich heute unendlich viel Überwindung gekostet, überhaupt aufzustehen und den Schritt ins Wasser zu wagen. Aber aufgeben? Keine Option.

Um 8:30 Uhr ging es in Rothenfels los, direkt unterhalb der Schleuse.

 

🧠 Von der ersten Sekunde an: Ich, ganz allein mit mir und dem Main

Der zäheste Kampf der gesamten Tour

Die Bedingungen machten es mir heute nicht leicht. Strömung? Fehlanzeige. Dazu brennt die Sonne seit Tagen unbarmherzig vom Himmel. Im Wasser selbst merkt man die Hitze zwar kaum, aber man spürt die Auswirkungen: Das Wasser stand förmlich und schmeckte heute ehrlich gesagt auch überhaupt nicht gut.

Schon nach wenigen hundert Metern meldeten sich meine Muskeln mit einer klaren Botschaft: „Hör jetzt endlich auf!“

Ich habe die Zähne zusammengebissen und bin weitergeschwommen. Nach zwei Stunden war die 5‑Kilometer‑Marke geknackt. Noch einmal 5 Kilometer standen auf dem Plan.

Mein mentaler Anker war Triefenstein oben auf dem Berg. Ich wusste: Wenn ich das sehe, bin ich fast da. Also schwamm ich. Eine Stunde. Noch eine Stunde. Zähes, schweres Vorankommen. Aber der Berg wollte einfach nicht auftauchen.

 

🧭 Orientierungslos im Fluss

Was die Sache heute extrem schwer gemacht hat, war die fehlende Orientierung. Normalerweise halte ich mich an den Kilometersteinen fest, die alle 200 Meter am Ufer stehen. Doch heute? Alles komplett zugewachsen. Auch die großen Kilometerschilder waren teilweise unsichtbar hinter dem dichten Grün verborgen.

Ohne Orientierung, wie weit man eigentlich schon ist, fühlt sich das Schwimmen endlos an. Obwohl ich laut Uhr eigentlich ein gutes Tempo machte, hatte ich das deprimierende Gefühl, auf der Stelle zu stehen.

Der Körper schrie: Du musst raus! Es war der bisher mental anstrengendste und zäheste Tag der gesamten Reise.

 

🌿 Ein magischer Moment im Schilf

Um den Kopf freizubekommen und durchzuatmen, habe ich mich zwischendurch immer wieder einfach treiben lassen. Und der Main hat mich für die Qualen entschädigt – mit einem Naturerlebnis, das man vom Boot oder vom Ufer aus so wohl nie zu sehen bekommt:

Am Ufer tauchte eine Ricke mit ihrem Kitz auf, die zum Trinken ans Wasser wollten. Nur knapp 20 Meter daneben saß ein Fuchs im Gebüsch und beobachtete die beiden ganz genau.

Das Reh hatte den Fuchs definitiv im Wind, hatte aber enormen Durst. Ich durfte mucksmäuschenstill Zeuge werden, wie sich die beiden Rehe in extremer Zeitlupe und mit allerhöchster Vorsicht durch das Schilf ans Wasser herangepirscht haben.

Ein absolut spannender und magischer Moment, der mich für ein paar Minuten den Schmerz in den Armen vergessen ließ.

 

🏁 Das Ziel vor Augen: Endlich Ruhetag!

Nach 4 Stunden und 9 Minuten harter Arbeit war es dann geschafft: In Lengfurt bin ich aus dem Wasser gestiegen. Fix und fertig, komplett leer, aber am Ziel für heute.

Jetzt gibt es nur noch ein Gefühl: Pure Vorfreude auf morgen. Morgen ist Ruhetag! Die Muskeln dürfen regenerieren, der Kopf darf abschalten, und die Akkus werden wieder aufgeladen, bevor es auf die Zielgerade Richtung Wertheim geht.

Danke fürs Daumendrücken an diesem harten Tag – ihr glaubt gar nicht, wie viel mir euer Support bedeutet!

Euer Matjes

 

🧘 Jetzt aber: Beine hoch und den verdienten Ruhetag genießen!