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🏊‍♂️ Ehrlichkeit auf dem Fluss: Wenn der Main dir alles abverlangt

 

🌑 Der unruhige Start in den Morgen

Es gibt Tage, da läuft im Wasser alles wie von selbst. Und dann gibt es Tage wie heute. Tage, an denen die Strömung nicht dein Freund ist, das Wetter gnadenlos gegen dich umschlägt und dir auch außerhalb des Wassers Steine in den Weg gelegt werden. Heute war so ein Tag, der mich mental und physisch an meine absoluten Grenzen gebracht hat. Ein Tag voller schwerer Entscheidungen, logistischer Hürden und schlechter Nachrichten. Aber es war auch ein Tag, der mir gezeigt hat, wie viel unglaublichen Rückhalt dieses Projekt erfährt.

Schon die Nacht war zäh. Schlechter Schlaf, Albträume und ständiges Aufwachen – irgendwie lag von Anfang an etwas Schweres in der Luft. Eigentlich sollte mich der Wecker erst um 07:00 Uhr aus den Federn holen, doch bereits um halb sieben war die Nacht für mich vorbei. Nach der Morgenroutine traf um 07:30 Uhr mein Cousin Nico an der Marina in Bischberg ein. Unser ehrgeiziger Plan für heute: Strecke machen. Bis nach Ottendorf sollte es gehen, und wenn möglich noch drei Kilometer weiter, um das Tagesziel von 26 Kilometern vollzumachen.

Doch die Logistik forderte direkt ihren Tribut. Bis wir endlich in Limbach waren, das Boot fertig einsatzbereit hatten und durchschleusen konnten, verging deutlich mehr Zeit als erwartet. Beim fliegenden Wechsel – ich raus aus dem Begleitboot, Nico rein – bemerkte ich den Klassiker: Schwimmbrille, Badekappe und die essenzielle Vaseline für die Achseln und den Schritt lagen noch im Auto. Ein dicker Dämpfer, aber Aufgeben war keine Option. Während die PKW-Crew zurück nach Bischberg flitzte, um die Ausrüstung zu holen, sprangen Nico und ich um 09:30 Uhr los. Nico fand sich extrem schnell mit dem Boot zurecht und hielt perfekt Kurs. Ein riesiges Dankeschön an ihn für den genialen Support auf dem Wasser!

 

🌧️ Der Sprung zurück und der Kampf gegen das Unwetter

In Zeil am Main trafen wir im Hafen wieder auf unsere PKW-Crew. Endlich hatte ich meine Ausrüstung! Nach einer kurzen, hastigen Pause mit einer Banane, einem Bananen-Corny und ein paar großen Schlucken zu trinken, ging es mit einem beherzten Sprung zurück in den Main. Und was soll ich sagen: Eine gute Ausrüstung macht einfach Welten aus. Das Schwimmen fühlte sich sofort effizienter an.

Unser Zeitplan ging zunächst auf. Die Schleuse in Knetzgau hatten wir für ca. 13:00 Uhr angepeilt – um exakt 13:05 Uhr waren wir bereits durch und hatten die Pause hinter uns gebracht. Ab jetzt hieß es: Noch 14 Kilometer bis Ottendorf in knapp 4 Stunden. Ich habe alles gegeben, zog mit rund 3 km/h durch, aber der Fluss und die Uhr tickten unbarmherzig gegen mich. Es wurde klar: Ottendorf ist heute nicht mehr zu schaffen. Wir mussten umplanen und das Etappenziel auf den Campingplatz in Untertheres verkürzen.

Und dann kam, was kommen musste. Ein Blick zum Himmel verhieß nichts Gutes. Innerhalb kürzester Zeit peitschten heftige Sturmböen den Main auf. Der brutale Gegenwind erzeugte eine spürbare Gegenströmung, die das Vorwärtskommen fast unmöglich machte. Die Hafeneinfahrt eines Yachtclubs in Obertheres lag nur noch knappe 200 Meter vor mir. Für diese winzige Distanz brauchte ich unter vollem Krafteinsatz fast 20 Minuten! Auch Nico hatte im Boot extrem mit den Wellen und Böen zu kämpfen. Völlig erschöpft, aber sicher, erreichten wir den Hafen – etwa einen Kilometer vor dem eigentlichen Campingplatz.

Ein riesiges Danke an den Platzwart vor Ort: Nach einem kurzen Telefonat bekamen wir unkompliziert grünes Licht, dass das Boot dort über Nacht sicher liegen bleiben kann, und er gab uns direkt den Code für das Tor, damit wir morgens wieder rein können.

 

🤝 Unerwartete Begegnungen und mentale Last

Als wir die PKW-Crew zu uns lotsten, hieß es am Telefon plötzlich: „Hier wartet ein Lukas auf dich.“ Am Ufer stand tatsächlich ein alter Freund aus vergangenen Tagen, den ich völlig aus den Augen verloren hatte! Er wollte mich unbedingt supporten. Weil das Live-Tracking auf meiner Website durch mein neues Smartphone heute immer wieder abbrach, war seine Suche nach mir ein echtes Abenteuer. Er erzählte mir auch, dass sogar jemand extra aus Marktredwitz angereist war, nur um mich schwimmen zu sehen! Genau so ergeht es auch meiner PKW-Crew: Wenn sie am Ufer erzählen, was wir hier machen, stehen ihnen überall alle Tore offen. Diese positive Resonanz gibt unheimlich viel Kraft.

Und diese Kraft brauche ich auch dringend. Denn im Wasser kreisen die Gedanken. Finanziell fehlen mir für das Vorhaben immer noch fast 1.500 Euro, was mich massiv beschäftigt und Energie kostet. Zudem liege ich im Zeitplan bereits zwei Tage zurück und zerbreche mir den Kopf, wie ich den Wohnwagen rechtzeitig nach Lengfurt auf den Main-Spessart Campingplatz versetzen soll. Als ob das nicht reicht, kam am Abend der nächste Tiefschlag: Beim Umsetzen des Wohnwagens von Basislager 1 zu Basislager 2 durfte ich feststellen, dass mein Auto eventuell auch noch kaputt ist. Dementsprechend schlecht ging es mir am Abend.

 

⚖️ Die Entscheidung: Würzburg steht – aber mit absoluter Ehrlichkeit

Um 21:00 Uhr stand der Wohnwagen endlich im neuen Lager, und ich konnte das erste Mal etwas essen. Im Kreis der Crew haben wir die Karten offen auf den Tisch gelegt. Am Samstagabend um 18:00 Uhr wartet der Pressetermin an der Alten Mainbrücke in Würzburg auf mich. Rein schwimmend ist diese Distanz durch den Rückstand unmöglich zu schaffen. Zwischenzeitlich kam der Gedanke auf, zwei Etappen einfach zu „überspringen“. Aber das fühlte sich für mich absolut nicht richtig an.

Ich habe mich entschieden: Ich werde nicht schummeln! Ich werde am Samstag um 18:00 Uhr in Würzburg an der Alten Mainbrücke sein und der Presse für alle Fragen zur Verfügung stehen – allerdings reise ich für diesen Termin mit dem PKW an. Wenn die Medien mich und mein Vorhaben ernst nehmen, werden sie einfach noch mal kommen, wenn ich Würzburg später offiziell auf dem Wasserweg einschwimme.

Ich werde ab morgen einfach so weiterschwimmen, wie ich es kann, und mein Bestes geben. Wenn es 20 Kilometer am Tag werden, ist das gut. Wenn es nur 18 Kilometer werden, dann ist das eben so. All die Situationen, die heute auf mich eingeprasselt sind, waren verdammt schwer. Umso stolzer bin ich auf mich, dass ich nicht betrüge, sondern dazu stehe, dass bei einem solchen Extremprojekt immer etwas dazwischenkommen kann. Meine gesundheitliche Herausforderung kostet mich ohnehin schon jeden Morgen enorme Kraft, um überhaupt aufzustehen und diese 21 Tage durchzuziehen. Morgen geht es weiter – Schritt für Schritt, Zug um Zug.

Euer Matjes